Okt/Nov 2008

Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!
Die letzten zwei Monate war bei uns, und im speziellen bei mir, so viel los, dass ich zu gar nichts gekommen bin. Daher bitte ich um Verständnis, dass es diesmal nur einen Bericht für Oktober und November gibt.
Nun zu den Neuigkeiten: Die Montessori-Lehrmethode hat sich sehr bewährt und die Kinder haben sich an das individuelle Lernen gewöhnt. Die Lehrpläne wechseln jede Woche, und die Kinder haben ein Mitspracherecht dabei, was sie die nächste Woche lernen wollen. Wir haben drei neue Schüler: Abiy, 3 Jahre alt und HIV positiv, der vor einiger Zeit seine Mutter verloren hat – sein Vater, der als Hilfsarbeiter auf einem Lastwagen arbeitet, erzieht jetzt drei Söhne ganz allein; Yonas, 6 Jahre alt, wird von seiner Mutter erzogen, die selbst erst vor kurzem die Kombinationstherapie begonnen hat und viel Rat und Hilfe braucht; und Kidist, deren beide Eltern an AIDS gestorben sind – sie ist 5 Jahre alt, HIV positiv und nimmt bereits die Kombinationstherapie. Aufgrund ihrer Umstände konnte ich diese drei, trotz übervollem Haus, nicht ablehnen. Sie haben sich schnell an den Alltag bei uns gewöhnt und sind eine Bereicherung für die Gruppe.
Im letzten Bericht erwähnte ich Abiti und dessen große Probleme zu Hause. Seitdem habe ich erfahren, dass seine Mutter nicht einmal ein gemietetes Haus hat, sondern pro Nacht für jeweils 2 birr ein Zimmer mietet. Daher hatte Abiti, wenn er die Schule am Nachmittag verließ, nirgendwo, wo er hingehen konnte. Eines Tages kam er ganz traurig in die Schule, war nur still und ließ den Kopf hängen, wollte meine Fragen, was denn los sei, nicht beantworten. Nach der Schule saß er dann zwei Stunden lang vor der Tür unserer Sozialarbeiterin Misa und weinte. Er habe seine Schuhe verloren, und da seine Mutter so arm sei, wie könne sie ihm da neue kaufen? Misa hat mich dann eindringlich gebeten, Abiti zu mir zu nehmen, und ich habe, in Angesicht der Tatsache, dass mich die Mutter schon mehrmals darum gebeten hatte, zugestimmt.
Am nächsten Tag informierte mich Misa, dass sie, als sie eine Klientin in der örtlichen Polizeistation besuchte, dort Sara und deren Mutter angetroffen habe, die schon über eine Woche eingesperrt war. Laut Misa habe Saras Mutter mit jemandem gestritten, der Person drei Zähne ausgeschlagen, dann habe sie einen Gerichtstermin versäumt und sei daher verhaftet worden. Sara und der zwei Jahre alte Abel schliefen mit ihr in der Zelle, der zehnjährige Binyam sei alleine zu Hause. Leider konnte ich nicht allen Kindern helfen, aber Sara, die sechs Jahre alt und HIV positiv ist, habe ich bei mir zu Hause aufgenommen, zugleich mit Abiti. Zuerst stellte ich mir das einfach vor: die Kinder könnten doch im Schlafraum schlafen – falsch gedacht, die Kleinen haben sich gefürchtet und verbrachten die ersten zwei Nächte bei mir im Bett, dann auf einer Matratze am Fußboden meines winzigen Zimmers. Nach einem Monat erklärten sie sich endlich bereit, im Schlafraum zu bleiben, und ich konnte wieder zu meinem Kleiderschrank, ohne übers Bett klettern zu müssen.
Ich bin also, ganz plötzlich und unvorbereitet, Ziehmutter geworden, und stellte das fest, was alle Mütter schon längst wissen: Kinder erziehen ist eine Menge Arbeit! Tagsüber sind sie ja im Kindergarten untergebracht, aber am Nachmittag wollen sie dann auf den Fußballplatz oder runter zum Fluss gehen, ich koche für sie und bade sie, bügle ihre Kleider und wasche das Geschirr ab. Das nach einem langen Arbeitstag – kein Wunder, dass ich abends jetzt viel zu müde bin, um Berichte zu schreiben oder meine sonstige Arbeit zu erledigen. Also ist alles im Hintertreffen, und das, obwohl meine beiden ja eigentlich sehr brav sind und wirklich kaum Probleme machen. Aber sie sind halt Kinder und brauchen vor allem Zeit und Zuwendung. Nach fast zwei Monaten bei mir ist der Unterschied vor allem bei Abiti gewaltig: er war davor ein unterdurchschnittlicher Schüler, kaum an irgendetwas interessiert. Jetzt ist er wie verwandelt, lernt eifrigst und mit Freude und sieh da, er kann alles, was wir ihm aufgeben! Ich bin natürlich sehr stolz auf ihn und lobe ihn auch gehörig. Sara war ja schon zuvor ein ganz braves Mädchen, und obwohl sie natürlich oft an ihre Mutter im Gefängnis denkt – wir gehen sie auch immer wieder besuchen – meistert sie die schwierige Situation ungewöhnlich gut. Abiti hat seine Mutter eine Zeit lang nicht gesehen; da er sich jetzt sehr gut eingewöhnt hat, möchte ich für nächstes Monat ein Treffen organisieren.
Jetzt noch schnell Neuigkeiten von Jony: es geht ihm wieder besser, obwohl er nicht viel Kraft hat und eher noch langsamer geworden ist als zuvor. Aber zumindest ist er bei uns in der Schule glücklich. Seine Mutter hat ein Schaf gekauft, welches nun bei ihnen im 10 m2 Zimmer übernachtet – muss ich noch irgendwas zum Thema Hygiene sagen? Wir waschen ihn halt täglich hier und wechseln seine Kleidung, ansonsten können wir nicht viel tun.
Wir hatten wieder ein Elterntreffen, bei dem ich endlich die lang versprochenen Moskitonetze verteilen konnte, die wir gratis von der Regierung bekommen haben – nach langmächtigem Herumrennen. Die Netze sind die wichtigste Vorbeugung gegen Malaria. Beim Treffen habe ich einige Eltern dismal richtig beschimpft, wir seien nicht ihre Putzerei, warum könnten sie ihre eigenen Kinder und deren Gewand nicht waschen? Leider, wie schon zuvor, hatte meine Predigt nicht viel Wirkung. Ich habe im Interesse der Kinder kapituliert und nun neben Tsehay noch eine Vollzeit-Putzfrau angestellt, die die Gewänder der „üblichen Verdächtigen” regelmäßig wäscht.
Finanzbericht:
Im Oktober bekamen wir 3,154.79 birr von Fr. Maike Jürgensen, die die Patenschaft für eines unserer Kinder übernommen hat. Die Zinsen von der Bank betrugen 29.56 birr im Oktober und 23.36 birr im November.
Im Oktober haben wir 14,487.77 birr für die folgenden Zwecke ausgegeben:
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1 |
Möbel fürs Klassenzimmer |
1,105.00 |
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2 |
Küchenutensilien |
45.00 |
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3 |
Lehrmaterialien |
593.00 |
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4 |
Hygiene |
557.50 |
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5 |
Essen (inklusive Gas fürs Kochen) |
3,071.27 |
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6 |
Medizinische Betreuung |
1,146.00 |
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7 |
Administration |
620.00 |
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8 |
Gehälter |
5,550.00 |
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9 |
Transport für die Kinder |
1,800.00 |
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Gesamt |
14,487.77 |
Im November haben wir 12,203.40 birr für die folgenden Zwecke ausgegeben:
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1 |
Matratze für Sara und Abiti |
150.00 |
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2 |
Küchenutensilien |
42.00 |
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3 |
Lehrmaterialien |
62.00 |
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4 |
Hygiene |
159.50 |
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5 |
Essen (inklusive Gas fürs Kochen) |
3,463.40 |
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6 |
Medizinische Betreuung |
663.00 |
|
7 |
Administration |
34.00 |
|
8 |
Gehälter |
5,550.00 |
|
9 |
Transport für die Kinder |
1,800.00 |
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10 |
Gewand |
261.00 |
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Gesamt |
12,203.40 |
Wie Sie leicht sehen können, geben wir immer mehr Geld pro Monat aus. Einerseits hat die Zahl der Kinder, die unseren Kindergarten besuchen, zugenommen, andererseits sind die Preise für alles und jedes weiterhin angestiegen. Damit wir unsere Arbeit auch im kommenden Jahr fortsetzen können, brauchen wir dringendst mehr Unterstützung. Zur Erinnerung:
Unser Spendenkonto in Äthiopien:
Positive Action Charity Organization
Kontonummer 0029515698001
Dashen Bank Shashamane Branch
Äthiopien
Swift Code: DASHETTA
Das Bankkonto in Wien:
Isheba Tafari
Kontonummer 50220 041 211
Bankleitzahl 12000
Bank Austria/Creditanstalt
Wien, Österreich
Mit herzlichen Grüßen,
Isheba Tafari
Präsidentin
Positive Action Charity Organization