Yawenta Children’s Center

Progress Report of the Yawenta Children’s Center

Dez/Feb 2008/09

At_the_anniversary_party

Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!

Ich merke schon, dass ich mich jedes Mal für das zu späte Erscheinen des Berichts entschuldigen muss. Also werde ich dieses lieber sein lassen und gleich in medias res gehen.

Sara ist, nachdem ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wurde, wieder nach Hause zurückgekehrt. Leider geht es der Familie nicht sehr gut: der Aufenthalt in der Polizeistation scheint die Mutter psychisch sehr belastet zu haben, und das wirkt sich stark auf Sara aus, die sich in dem winzigen Haus ohne Spielzeug nicht mehr wohl fühlt. Sara kommt jetzt manchmal nicht in die Schule und ist bei weitem nicht so aktiv und fröhlich wie früher. Das tut natürlich weh, vor allem, da sie mir doch sehr ans Herz gewachsen ist, aber andererseits gibt es Kinder, die noch ärmer dran sind als sie und die ich deswegen auch nicht alle bei mir unterbringen kann.

Apropos arm: Jony war schon wieder krank, er hat chronische Malaria und musste wieder eine Woche im Spital verbringen. Auf dem Weg ins Krankenhaus dachte ich wirklich, er würde in meinen Armen sterben: er wurde bewusstlos, hatte gelben Schaum vor Nase und Mund und starke Fieberkrämpfe. Am nächsten Tag ging er aber schon mit dem Glukose-Beutel in der Hand auf der Kinderstation auf und ab. Vom Spital ist er dann direkt zu mir nach Hause gekommen, ich habe ein Kindermädchen für die Nacht angestellt und seitdem kümmern Meskerem und ich uns gemeinsam um Jony und natürlich auch um Abiti, der ein fanstastischer großer Bruder ist und ganz lieb mit ihm spielt.

Seitdem Jony zu mir gekommen ist, hat das davor fast komplett stumme Kind seine Stimme gefunden. Er artikuliert zwar noch keine verständlichen Worte, aber er lacht viel und plappert ‘blabilabila’ und ‘iiiii’ und ‘mamama’, und wir hoffen natürlich, dass er doch noch sprechen lernt. Der 5-jährige Jony scheint teilweise auf dem Entwicklungsstand eines 1½-Jährigen zu sein, sowohl motorisch wie auch geistig, aber falls es uns gelingen sollte, ihn eine Weile nicht krank werden zu lassen, so könnte er vielleicht einen Teil dieses Rückstandes wieder aufholen. Er hat endlich ordentlich zugenommen (von zuvor 11.5 kg auf 13.5 kg), kann sich erstmals die Nase putzen und auf der Mundharmonika und sogar der kleinen Trompete spielen. Er ist auch viel kräftiger und aktiver und stellt demgemäß eine Menge mehr an als früher.

Noch ein armes Kind: Aschalew wurde vor etwa 6 Wochen auf HIV getestet, er ist nicht infiziert, aber im Spital wurde festgestellt, dass er Hepatitis B hat. Da diese schwere Virusinfektion ähnlich wie HIV vorwiegend über Blut und Geschlechtsverkehr übertragen wird, müssen wir davon ausgehen, dass er von seiner Mutter schon bei der Geburt angesteckt wurde. Hepatitis B wird mit den gleichen Medikamenten wie HIV behandelt, ist aber heilbar. Wie weit Aschalews Leber bereits geschädigt ist, wird sich aber erst im Laufe der Zeit herausstellen.

Etwa zur gleichen Zeit erfuhren wir – nach 9 Monaten – endlich, dass Yosef, unser geistig behinderter Bub, Epileptiker ist. Er hat zwar Medikamente verschrieben bekommen, doch ohne ordentliche Diagnose (für die ein EEG und wahrscheinlich auch eine Computertomographie notwendig sind), und die Ärztin hat weder uns noch die Mutter beraten, was bei einem Anfall zu tun sei. Dass Yosef Anfälle hat, wussten wir zwar schon, aber da diese ohne Krämpfe verlaufen und wir alle auf diesem Gebiet Laien sind, dachten wir, sie seien auf seine geistige Behinderung zurückzuführen. Ich werde nächstes Monat das zweifelhafte Vergnügen haben, mit dem extrem ‘verhaltenskreativen’ (ich glaube, das ist der politisch korrekte Ausdruck) Yosef nach Addis zu fahren und ihn zu den notwendigen Untersuchungen zu bringen.

Wir mieten seit Jänner den Garten der Nachbarin, sodass die Kinder jetzt endlich mehr Platz zum Spielen haben. So bald wie möglich werden wir eine Rutsche, Schaukeln und andere Spielplatzgeräte anschaffen. Außerdem haben wir vor, mehr Montessori Materialien anzukaufen, damit wir unsere Kinder ihrem wachsenden Können entsprechend unterrichten können.

Meine Mutter, Dr. Christa Staudinger, ist Mitte Februar zu Besuch gekommen, hat eine Menge Spielsachen und Geld von unseren verschiedenen Sponsoren und Spendern mitgebracht. Sie hat die Kinder sofort ins Herz geschlossen und nicht nur den Tagesablauf beobachtet und mit vielen Fotos dokumentiert, sondern auch viel mit den Kindern gespielt, dass manche dann kaum ihre Rockzipfel loslassen wollten.

Am 27. 2. haben wir mit einer kleinen Party den ersten Geburtstag unseres Projektes gefeiert. Es war ein gemütliches Beisammensein der Kinder, Eltern, der Mitarbeiter und einiger Freunde und Unterstützer aus Shashamane bei Kuchen und Saft. Mit einigem Stolz können wir auf dieses erste Jahr zurückblicken. Die Zahl unserer Schützlinge ist von 10 auf 29 angewachsen, und zwei weitere sollten dringend aufgenommen werden. Leider sind wir platzmäßig an der Grenze unserer Kapazitäten. Dass alle unsere Kinder nicht nur am Leben, sondern sogar in recht guter Verfassung sind und körperlich und geistig große Fortschritte gemacht haben, ist schon als kleines Wunder zu bezeichnen. Allerdings war dafür eine Menge Arbeit notwendig: Unsere Kinder waren insgesamt 210 (Werk-) Tage bei uns untergebracht, haben 840 Mahlzeiten zu sich genommen, zwei Ausflüge (nach Wondo Genet und Langano) gemacht sowie am Theatertherapieprojekt mit drei Aufführungen teilgenommen. Wir haben 44 wöchentliche Lehrpläne und ebensoviele Menüpläne erstellt, für 26 Kinder Zeugnisse ausgestellt, 128 mal Medizin eingekauft und rund 60 Kinder zum Arzt gebracht. Wie oft wir die Kinder und deren Kleider gewaschen haben, können wir nur grob schätzen, aber es werden wohl zwischen 350 und 500 mal gewesen sein.

Finanzbericht:

Wie schon erwähnt, hat meine Mutter Spenden aus Österreich im Umfang von insgesamt 3970 Euro mitgebracht. Wir bedanken uns ganz herzlich bei: Monika Maireder, Andrea Niemetz, Fr. Hüttner, Martin Lindenthal, Ingrid Gruber, Hr. Wolf, dem Märchenerzählkreis und der Märchenrunde, Heide Manhartsberger, Traude Cikanek, den MitarbeiterInnen der Hubertus-Apotheke Kaisermühlen, Hr. Winkler, Peter Rauscher, Mag. Brigitte Gruber, Sylvia Edelmann, Vanessa Wabitsch, Dr. Balluch, Sylvia Friessnegg, Beate Lobis, Marion Diagne, Christine Niemetz, Dr. Birgit Langer, Maria Zacherl und Dr. Ellböck. Mag. Walter Weninger hat uns freundlicherweise ein Schaufenster in seiner Apotheke zur Verfügung gestellt und uns erlaubt, eine Spendenbox aufzustellen. Ein weiteres großes Dankeschön geht an Projektleiterin Bethina Karst und den Organisator des Weihnachtskonzertes, Erich Pochendorfer, sowie an die LehrerInnen und SchülerInnen des BGRG Polgarstraße, die unser Projekt tatkräftig unterstützt haben. Geraldine und Fery haben ganz tolle Musikinstrumente, Dr. Desta und Johanna Alemu sowie Amelie und Gudrun von der Märchenrunde eine Menge Spielsachen gespendet, die von den Kindern begeistert aufgenommen wurden.

Darüberhinaus erhielten wir noch unerwartete Spenden von Ras Shango Baku und P. Major aus England, Sis. Annamaria Pilo und Pablo Goschala aus Italien, sowie von Mike. Louise Heckett hat schon längere Zeit in Irland Fundraising für unser Projekt betrieben und schließlich Ende Jänner die gewaltige Summe von 5000 US-Dollar überwiesen. All diese großen und kleinen Spenden sowie die monatlichen Beiträge unserer Paten werden es uns hoffentlich ermöglichen, unsere Kinder im Jahr 2009 ordentlich zu betreuen.

Abrechnung 2008

Der folgende Bericht wurde vom Finanzamt der West Arsi Zone, Region Oromia, geprüft und genehmigt. Alle Beträge sind in Birr angegeben (ein Euro entspricht zur Zeit etwa 14 Birr).

Ausgaben:

1 Miete

3,500.00

2 Renovierung des Gebäudes

2,062.15

3 Büromöbel

212.60

4 Bürogeräte

97.00

5 Klassenzimmermöbel

8,407.25

6 Küchenmöbel

650.00

7 Badezimmermöbel

537.00

8 Küchengeräte

3,113.95

9 Lehrmaterialien

6,719.03

10 Mal- und Bastelmaterialien

1,330.77

11 Spielzeug

2,563.85

12 Hygieneartikel

2,801.87

13 Putzgeräte

276.57

14 Reinigungsmittel

794.50

15 Handtücher etc.

804.00

16 Andere Ausgaben Hygiene

40.00

17 Nahrungsmittel

23,360.68

18 Gas zum Kochen

2,268.95

19 Andere Ausgaben Ernährung

40.50

20 Transport zu Klinik/Spital

172.00

21 Medizinische Behandlung

5,738.65

22 Andere Ausgaben Gesundheit

3,252.00

23 Eröffnungsparty

208.75

24 Bürobedarf

1,656.83

25 Rechnungen (Wasser & Elektrizität)

363.35

26 Transport für MitarbeiterInnen

580.50

27 Andere Kosten Büro

237.00

28 Transport für Kinder

12,774.00

29 Kleidung

2,211.00

30 Ausflüge

835.00

31 Gehälter Administration

18,662.00

32 Gehälter Betreuungspersonal

26,552.00

33 Andere Kosten MitarbeiterInnen

105.00

34 Steuer auf Bankzinsen

21.24

GESAMT

132,844.99

Unsere Einnahmen bestanden aus:

Internationale Einkommen:  76,061.87 Birr

Lokale Einkommen:             94,785.00 Birr

Bankzinsen:                                 424.59 Birr

GESAMT:                            171,271.46 Birr

Unser Bankguthaben am 31. Dezember 2008 betrug 56,328.94 Birr, die Handkasse enthielt 1,800.93 Birr.

Nochmals vielen Dank für die viele Unterstützung. Wir hoffen, dass wir Ihre Spendengelder in Ihrem Sinne verwendet haben. Sollten Sie irgendwelche Fragen haben, wenden Sie sich bitte direkt an mich (E-mail Adresse: ivision33@yahoo.com).

Mit herzlichen Grüßen,

Isheba Tafari

Präsidentin

Positive Action Charity Organization

Geschrieben von isheba

2. Juni 2009 um 11:35 vormittags

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.