Yawenta Children’s Center

Progress Report of the Yawenta Children’s Center

März/April 2009

Melaku is jealous of Dagmawit and Genet

Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!

Zurzeit bin ich in Europa, besuche meine Familie und habe mich hinreichend von dem erholt, was ich als Äthiopiens größtes Problem erachte, nämlich Zu Viel Drama, um einen Bericht zu schreiben.

Jony und die Babysitterin, Meskerem, haben sich gut eingewöhnt, und ich habe mich zumindest vorläufig damit abgefunden, überhaupt keine Privatsphäre mehr zu haben. Im Amharischen gibt es ja bezeichnenderweise nicht einmal ein Wort für „Privatsphäre“; am nächsten kommt diesem Begriff noch bitschanet, was Einsamkeit bedeutet und etwas ganz Schlechtes ist. Ich bin 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche von unseren Angestellten umgeben, außer wenn ich nach Addis Abeba oder, wie eben jetzt, nach Österreich entkomme.  Die Kinder und die Babysitterin stürmen um halb sieben in der Früh mein Schlafzimmer, und das war’s dann mit Ausruhen. Ich weiß schon, das ist nichts Neues für Eltern, und ich stelle mich ja auch darauf ein – nur Geduld, für mich ist das halt noch neu.

Ein sehr großzügiger Sponsor hat es uns ermöglicht, einen ganzen Satz von Montessori Materialien aus der Montessori Schule in Wolayta zu kaufen. Die Kinder sind von den neuen, wunderschönen Spielsachen ganz begeistert, und wir versuchen jetzt, mehr Disziplin und damit einen schnelleren Fortschritt bei unseren Kindern zu erreichen. Es gibt noch viel zu tun, aber das neu eingerichtete Klassenzimmer sieht größer und weniger unordentlich aus. Wir brauchen noch 3 weitere Regale, um die restlichen Spielsachen unterzubringen, und dann, dringend, ein größeres Haus. Demselben Sponsor ist es zu verdanken, dass wir Spielplatzgeräte – Schaukeln, eine Wippe und eine Rutsche – bestellen konnten, die aber noch nicht fertig sind. Ich verbringe viel Zeit damit, dem Produzenten dieser Geräte die einfachsten Sicherheitsprinzipien zu erklären und darauf zu bestehen, dass unsichere oder gefährliche Geräte vielleicht für andere Leute in Äthiopien gut genug sein mögen, aber nicht für uns. Wir haben zudem 15 neue Bälle, 5 Springschnüre und 5 Federballsets gekauft. Alle diese neuen Sachen werden mit Begeisterung benützt; hoffen wir, dass sie für eine Weile halten.

Obwohl es der Mehrzahl unserer Kinder gut geht, werden doch immer noch einige über das normale Ausmaß von unvermeidbaren Erkältungskrankheiten hinaus krank. Ingocha hat sich 2 Wochen lang ständig erbrochen und wir mussten sie dreimal mit Amöben, Giardia und massenweise Bakterien im Darm zum Arzt bringen. Nach Ostern, wenn selbst ganz arme Leute eine Menge Fleisch essen, hatten 3 unserer Kinder so viele Bandwürmer im Bauch, dass sie ihnen aus den Mündern herauskrochen und sich dann auf den Esstischen wanden, ein ausgesprochen ekliger  Anblick. Im Mai hatten wir einige Fälle von Lungenentzündung; besonders Abdurahim war sehr krank. Lungenentzündung ist zwar ansteckend, aber nach Hause konnten wir die kranken Kinder trotzdem nicht schicken, weil sie dort keine ordentliche Pflege erhalten hätten und dadurch noch länger gebraucht hätten, um sich wieder zu erholen. Unsere Sozialarbeiterin, Misa, die nun ganztags bei uns arbeitet, hat die Aufgabe, kranke Kinder zur Klinik zu bringen und sicherzustellen, dass sie ihre Medikamente ordentlich nehmen.

Kurz vor Ostern haben starke Regenfälle östlich von Shashamane einen unserer Flüsse stark anschwellen und viele Häuser an seinen Ufern überfluten lassen, unter ihnen auch das von Haymanot und ihrer Ziehmutter. Als Yawenta-Eltern, die in der Überschwemmungsgegend wohnen, besorgt bei uns anriefen und uns baten, ihre Kinder nicht zur üblichen Zeit nach Hause zu schicken, da die Straßen nicht überquerbar seien, musste ich gleich an Haymanots winziges Lehmhaus gleich neben dem Fluss denken. Als ich dort ankam, waren der kleine Vorhof und das Haus, das teilweise unter der Erde gelegen ist, komplett unter Wasser, und Haymanots Ziehmutter stand knietief im Wasser und weinte. Ich bot ihr gleich an, Haymanot für die nächsten drei Tage bei mir aufzunehmen, bis sich die Lage etwas geklärt habe und Entscheidungen über weitere Maßnahmen getroffen werden könnten. Tiringo meldete sich nach fünf Tagen, als ich und die anderen Yawenta-Angestellten schon glaubten, sie habe das Kind seinem Schicksal überlassen, endlich bei mir und erzählte, die Regierung habe ihr ein neues Haus und ein bequemes neues Bett gegeben. Das wunderte mich schon – in Äthiopien kommt Hilfe selten so schnell. Ich suchte dann nach Tiringo und diesem neuen Haus und fand heraus, dass Haymanots Ziehmutter mit 100 anderen durch die Flut obdachlos gewordenen Menschen in einem Notzelt untergebracht war. Ich versuchte ihr zu erklären, dass es für Haymanot besser wäre, wenn sie bis zur Besserung der Lage bei mir bleibe, und brachte sie sogar zum Leiter des Sozialamtes in Shashamane, der ihr das gleiche riet, aber Tiringo blieb hart: Haymanot musste ins UNICEF-Zelt ziehen, damit ihre Ziehmutter mehr Sachspenden erhalte. Ich war sehr frustriert, da sich in den nur 10 Tagen, die Haymanot bei mir verbrachte, ihr schon immer schwieriges Benehmen gewaltig gebessert hatte und ich fühlte, ich könne diesem sozial sehr benachteiligten Kind doch noch helfen, doch konnte ich sie letztlich nicht gegen den Willen ihrer Ziehmutter behalten.

Zu guter letzt haben wir noch eine neue Schülerin. Unsere Sozialarbeiterin Misa hatte sich ihre Strategie sorgfältig zurechtgelegt: die sechsjährige Tesfanesh, die ihre Mutter durch AIDS verloren hat und deren Vater sie bei einer alten und sehr armen Nachbarin zurückgelassen hat, war schon anwesend, als ich Misa besuchte. Sie bat mich dann inständig, dem unterernährten Kind wenn schon keine Erziehung dann wenigstens Essen zu geben. Na ja, das werden wir natürlich nicht machen, sondern wir haben Tesfanesh im Projekt aufgenommen, wo sie wie alle anderen Kinder essen und lernen und spielen wird. Was soll man tun? Wenn ich nach Äthiopien zurückkehre, müssen wir ein größeres Haus finden, um uns um all diese Kinder ordentlich kümmern zu können. Wir hoffen, dass uns unsere Unterstützer und Sponsoren weiterhin dabei helfen werden.

Ich hatte den Finanzbericht für März und April fertig, bevor ich nach Österreich flog, habe aber vergessen ihn mitzunehmen. Darum bitte ich um Geduld und verspreche, den Bericht nach meiner Ankunft gleich nachzuschicken.

Mit herzlichen Grüßen,

Isheba Tafari

Präsidentin

Positive Action Charity Organization

Geschrieben von isheba

4. Juni 2009 um 1:19 nachmittags

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