Yawenta Children’s Center

Progress Report of the Yawenta Children’s Center

Juli-September 2010

6. Dezember 2010

Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!

Ein neues Schuljahr hat begonnen, und da unsere Kinder einfach nicht aufhoeren zu wachsen, muessen wir eben mit ihnen mithalten. Aber ich fange besser vom Anfang an:

Im Juli fuhr ich nach Oesterreich, auf Urlaub und meine Familie besuchen, und hatte dabei die Gelegenheit, die vom 18. bis zum 23. Juli in Wien stattfindende Welt AIDS Konferenz zu besuchen. Ich war mir zunaechst nicht sicher, was ich dort vorfinden wuerde, da ich nie zuvor eine so grosse Konferenz (etwa 25,000 Delegierte aus aller Welt nahmen teil) besucht hatte, aber nach dem ersten Tag hatte ich mich an den Betrieb gewoehnt und konnte mich auf das konzentrieren, was mir fuer unsere Kinder am nuetzlichsten erschien: psychologische Unterstuetzung fuer HIV infizierte Kinder. Durch die Workshops, die ich besuchte, wurden mir die Herausforderungen und der Bedarf an Unterstuetzung klarer, wenn HIV infizierte Kinder erst einmal ihren Status akzeptieren lernen und sich danach ein positives Leben gestalten muessen. Im Speziellen lernte ich in verschiedenen Laendern entwickelte Zugaenge zum Prozess der ‘Disclosure’ kennen, in dem das Kind ueber seine Infektion und deren moegliche Folgen informiert wird. Ich bekam ausserdem exzellente Materialien und Anleitungen, wie man Mitarbeiter zur psychologischen Unterstuetzung von HIV infizierten Kindern ausbildet. Wir planen jetzt, im Rahmen unserer kleinen Organisation ein Pilotprojekt zur umfassenden Patientenbetreuung von mit HIV infizierten Kindern zu entwickeln, welches dann hoffentlich mit der Unterstuetzung von groesseren NGOs und der aethiopischen Regierung im ganzen Land umgesetzt werden koennte. Dieses zugegebenermassen ambitionierte Projekt umfasst:

v  Ausbildung von medizinischem und nicht-medizinischem Personal in Spitaelern und Gesundheitszentren, die HIV Behandlung anbieten, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen;

v  Die kinderfreundliche Ausstattung von Spitaelern und Gesundheitszentren durch Einrichtung von kindgerechten Raeumen mit Spielzeug und Buechern;

v  Die Reorganisation der monatlichen Spitalsbesuche dergestalt, dass Kinder der gleichen Altersgruppe am gleichen Tag zum Spital kommen, wodurch kleine Unterhaltungsprogramme (Spiel- und Bastelstunden) sowie Gruppenstunden zur psychologischen Beratung und Gesundheitserziehung fuer Kinder und Betreuungspersonen leichter arrangiert werden koennen;

v  Individuelle psychologische Unterstuetzung der Kinder beim Prozess der ‘Disclosure’, in Zusammenarbeit mit der Betreuungsperson, im Alter zwischen 6 und 12 Jahren unter Verwendung von Bildern und anderen Materialien;

v  Gesundheitserziehung fuer sehr kleine Kinder in Form von Geschichten und Schauspiel;

v  Weiterfuehrende psychologische Unterstuetzung und Beratung fuer Kinder und Jugendliche bezueglich Adhaerenz und Praevention von HIV Uebertragung.

Die Umsetzung all dieser Ziele wird natuerlich Zeit brauchen, doch wir haben bereits begonnen, mit den zustaendigen Personen am Shashamane Referral Hospital zu sprechen; der medizinische Direktor, die ART Krankenschwester und die Berater waren alle unseren Plaenen gegenueber positiv gesinnt und froh, Unterstuetzung bei der Beratung von Kindern zu bekommen.

Nachdem ich aus Europa zurueckgekehrt war, stuerzte ich mich sofort wieder in die Arbeit, um das neue Schuljahr und die Einrichtung der 2. Volksschulklasse vorzubereiten. Wir bestellten und erhielten schliesslich auch die Moebel fuer das Klassenzimmer der 1. Klasse, liessen zwei neue Toiletten im Garten errichten, und richteten die Speiseraeume so ein, dass die Volksschulkinder nicht durch die Kindergartenklasse trampeln muessen, um ihr Mittagessen zu bekommen. Es war nicht einfach, alles in dem vorhandenen, limitierten Platz unterzubringen, aber da wir in der 1. Klasse nur 12 SchuelerInnen haben, ging es sich gerade noch aus. Wir haben auch zwei neue Lehrer angestellt, Herrn Tullu fuer die 1. Klasse und Frau Aynalem fuer die 2., und haben uns bemueht, ihnen in kuerzester Zeit die Grundbegriffe der Montessori Lehrmethode und unserer Art zu Lehren beizubringen. Nach mehrmaliger Beratung mit diesen Lehrern beschlossen wir, Natnael Shewa in die 1. Klasse und Tewodros Melese in den Kindergarten zurueckzustellen. Nati ist im Lesen und Schreiben einfach noch zu schwach, um die 2. Klasse meistern zu koennen. Doch Dagmawit Tahir, Mihiret Daniel, Genet Adunya, Mintesenot Teklu, Mihiret Abrarew, Riste Kinde, Aschalew Dejene, Cheri Shaba, Hermela Yemamenew, Helen Atinkut und Alazar Umer sind in die 1. Klasse aufgestiegen und machen ihre Sache gut. Ich bin besonders froh ueber die Fortschritte von Genet, die lange Zeit eines unserer ‘Problemkinder’ war und jetzt brav das amharische Alphabet lernt.

In der 2. Klasse haben wir einen neuen Schueler: Haileleul ist bereits 11, aber er war oft krank und konnte nicht einmal die einfachsten Woerter lesen, als er zu uns kam. Mit Hilfe der Montessori Materialien holt er jetzt jedoch langsam mit den anderen Kindern auf, die meist schon recht fliessend lesen. Er wird jedoch noch eine Zeit lang besondere Aufmerksamkeit und Hilfe bei seiner Arbeit brauchen; da ist es gut, dass wir ihm in unserer kleinen Klasse von nur 14 Kindern diese individuelle Unterstuetzung auch geben koennen. Meine groesste Enttaeuschung dieses Jahr ist bisher, dass Kidist unsere Schule verlassen hat, wieder einmal ohne jede Erklaerung von ihrer Tante. Wir versuchten, die Tante dazu zu bewegen, Kidist doch in unserem Projekt zu belassen, da sie in der Klasse und Schule gut integriert war, aber es half nichts. Wir hoffen, dass sie, wo immer sie jetzt sein mag, gut aufgehoben ist.

Da so viele Kinder den Kindergarten verlassen haben und in die 1. Klasse aufgestiegen sind, mussten wir Frau Hiywots Klasse wieder auffuellen. Wie zuvor nahmen wir sowohl infizierte als auch nicht-infizierte beduerftige Kinder auf. Die ‘Neuen’ im Kindergarten sind: Abdissa Godana, Yohannis Haile, Tariku Tibebu, Aragew Tefera, Hamid Hayru, Tseganesh Kedir, Mintesenot Minda, Yosef Zeybe, Hiywot Ammanuel, Samrawit Teshome, Rosa Abebe, Ammanuel Solomon, Kaleab Mebratu, Abel Neguse, und Freamboni Shambel. Jedes dieser Kinder hat seine oder ihre Geschichte, doch fuer heute moechte ich den kleinen Yohannis erwaehnen, der erst 3 Jahre alt und ein sehr suesser Bub ist. Seine Eltern sind beide HIV infiziert; der Vater war Soldat, musste aber auf Grund seiner Erkrankung in Fruehrente gehen, die Mutter arbeitet als Putzfrau. Da beide koerperlich und finanziell nicht gut beieinander sind, lebt eines ihrer Kinder bei Verwandten, waehrend sie sich bemuehen, Yohannis aufzuziehen. Der Bub ist auch infiziert und leidet unter einer Schwaeche des Analmuskels, weshalb sein Enddarm fast jedesmal, wenn er auf die Toilette geht, herauskommt. Das fuehrt zu Blutungen und kann schmerzhaft sein, wenn es nicht ordentlich behandelt wird. Als wir dies zum ersten Mal sahen, waren selbst wir erschrocken, doch zum Glueck wusste Misa was tun, schuetzte ihre Haende mit Gummihandschuhen und stopfte den Darm wieder hinein. Ich glaube kaum, dass eine andere Schule mit dieser Situation fertig wuerde und bin sehr froh, dass Yohannis bei uns ist. Seine Gesundheit ist auch nicht die Beste, da er noch nicht auf Kombinationstherapie ist.

Finanzbericht:

In den letzten drei Monaten gaben wir insgeamt 110.130,98 birr (ca. 5.125 Euro) fuer die folgenden Zwecke aus:

  1. Transport fuer die Kinder: 7.200 birr
  2. Ausflug nach Wondo Genet: 1.180 birr
  3. Lehrmaterialien: 2.507,50 birr
  4. Transport zu und von der Klinik/dem Spital: 817 birr
  5. Medizinische Behandlung: 3.304,50 birr
  6. Hygiene-Artikel: 2.542,20 birr
  7. Kleidung: 237 birr
  8. Nahrungsmittel: 14.239,57 birr
  9. Gas fuer den Herd: 1.788,53 birr
  10. Einkommen fuer Eltern (Gaertnern): 1.223,50 birr
  11. Kuechengeraete (inklusive eines Gasherdes mit Backrohr und eines Druckkochtopfs): 6.554 birr
  12. Moebel fuer die Klassenzimmer (die Moebel fuer die 1. Klasse sind noch nicht enthalten): 350 birr
  13. Gehaelter: 28.284 birr
  14. Rechnungen (inklusive einer hohen Stromrechnung, die sich ueber ein ganzes Jahr angesammelt hatte): 2.639,44 birr
  15. Transport fuer Angestellte: 694 birr
  16. Miete fuer 1 Jahr: 34.800 birr
  17. Buerobedarf: 1.769,74 birr

Unser Einkommen im letzten Quartal betrug insgesamt 103.446,16 birr (ca. 4.810 Euro); wir moechten uns heute wieder herzlich bei unseren treuen und grosszuegigen Unterstuetzern bedanken, ohne deren Hilfe wir diese Arbeit nicht machen koennten.

Wir hoffen, dass Ihnen dieser Bericht einen kleinen Einblick in unsere Arbeit gibt, und sind jederzeit fuer Kommentare oder Anregungen dankbar. An dieser Stelle moechte ich auch potentielle Freiwillige dazu einladen, auf eine Zeit bei unserem Projekt mitzuarbeiten. Im besonderen waeren wir sehr dankbar, eine/n Montessori Volksschullehrer/in oder eine/n Montessori Ausbildner/in bei uns willkommen heissen zu duerfen; selbst ein Monat waere uns eine grosse Hilfe bei der weiteren Ausbildung unserer Lehrer. Wie ich bereits schrieb, ist unsere kleine Schule die erste Montessori Schule in Aethiopien, sodass es hier gar keine ausgebildeten Montessori Lehrer gibt. Wir bemuehen uns zwar, soviel wie moeglich von der Methodologie und dem Geist dieser Lehrmethode umzusetzen, braeuchten aber dringendst professionelle Beratung. Wir koennten Freiwilligen, ob Lehrern oder sonstigen Mithelfern, freie Unterkunft und Verpflegung, die von uns bezahlte Benuetzung der oeffentlichen Verkehrsmittel hier und eine kleine Rundreise mit mir als freiwilliger Reisefuehrerin anbieten. Leider koennen wir nicht fuer Flugtickets aufkommen. Ich denke, dass Mitarbeit in unserem Projekt in der Kleinstadt Shashamane doch einen besonderen Einblick in das Leben in Aethiopien bieten kann, abseits der Tourismus-Schiene. Bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben.

Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr wuenscht Ihnen

Ihre Isheba Tafari

Geschrieben von isheba

1. September 2011 um 6:20 vormittags

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