Dezember 2009 – März 2010
17. Februar, 2010
Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!
Die Zeit vergeht wie im Fluge, unsere Kinder wachsen so schnell heran, dass man von Monat zu Monat ihre Entwicklung bewundern kann. Daher muss unser Projekt auch mit ihnen wachsen, und wir alle, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Positive Action Charity Organization, versuchen Schritt zu halten. Besonders froh bin ich über die Fortschritte unserer Großen, der Erstklässler; Abdurahim zum Beispiel, der anfangs noch sehr zurück war und sich mit dem Schreiben schwer tat, beherrscht jetzt alle 231 Buchstaben des Amharischen Alphabets und schreibt in schöner Handschrift, und auch Asrat kann Wörter aus den beweglichen Buchstaben zusammensetzen.
Im Kindergarten freuen wir uns besonders über die Fortschritte von Cheri und Mintesenot Teklu, die beide früher am Lernen uninteressiert waren und daher wenig Erfolge vorweisen konnten; jetzt lernen beide Lesen und Schreiben und sind ganz glücklich, wenn sie einen Satz Buchstaben gemeistert haben. Auch unsere kleinen Sorgenkinder Fikr und Helen, haben sich gut eingewöhnt; wir achten mit größter Aufmerksamkeit auf ihre Gesundheit, bringen sie wenn immer nötig schnell zum Arzt, und das gute Essen und das Spielen in der Gruppe – an wirkliches Lernen ist bei solchen Winzlingen noch nicht zu denken – macht sie täglich stärker und fröhlicher.
Wie so üblich gab es auch im Dezember wieder ein Drama: Mihiret Abraraw wurde bei einem Unfall zu Hause am Rücken verbrannt. Da die Verbrennungen Gottseidank nicht allzu tief waren, überließen wir nach einiger Zeit das Wechseln der Verbände Mihirets Mutter. Obwohl sie für die Verarztung in der Gesundheitsstation von Shashamane nicht bezahlen musste, unterbrach die Mutter nach etwa zwei Wochen die Behandlung, schickte Mihiret auch nicht wieder zur Schule, sondern ließ die noch offene Wunde am Rücken verschmutzen und vereitern. Ich fand Mihiret vier Wochen später im Staub vor der Kirche, wo ihre Mutter die Wunde herzeigte, um damit Geld zu erbetteln. Offensichtlich war sie damit sehr erfolgreich, denn als ich sie anhielt, das sehr geschwächte Mädchen, das kaum gehen und nicht richtig sitzen konnte, am Montag zur Schule zu schicken, damit wir sie behandeln lassen könnten, weigerte sie sich.
Mittlerweile waren viele Menschen zusammengelaufen, und als diese hörten, dass Mihiret in einem Projekt untergebracht war und nicht notgedrungenerweise auf der Straße bettelte, waren sie sehr aufgebracht und beschimpften die Mutter. Schließlich rief jemand die Polizei; erst in der Polizeistation erklärte sich die Mutter bereit, Mihiret am Montag verarzten zu lassen. Doch als wir sie am Montag abholen wollten, fing sie an zu schreien, ich wolle ihr Kind stehlen, ich dürfe sie nicht zum Arzt bringen, sie sei ihr Kind und sie habe das Recht mit ihr zu betteln. Ich brachte schließlich zwei Männer von der Bezirksverwaltung, die unser Projekt schon von Anfang an kennen und unterstützen, zu Mihirets Haus. Als diese Mihirets Zustand sahen, nahmen sie das Kind mit Gewalt von der Mutter weg und sagten, ich solle es zum Arzt bringen. Auf dem Weg zur Klinik gingen wir noch zur Polizeistation, um den Sachverhalt zu erklären; die Polizisten waren ebenfalls über den Zustand des Mädchens – der halbe Rücken war komplett offen und total vereitert – bestürzt und erlaubten mir, Mihiret mit mir zu nehmen.
Aufgrund der Weigerung der Mutter, Mihiret behandeln zu lassen, war es unmöglich, sie nach der Behandlung nach Hause gehen zu lassen. Arzt und Krankenschwester waren auch der Meinung, dass Mihiret kurz vor einer Blutvergiftung gestanden hätte und strikte Hygiene unbedingt notwendig wäre, bis die Wunde komplett geheilt sei. So kam denn Mihiret in unser Haus; ich kaufte ihr am selben Tag noch schnell eine Matratze, Decken und Bettzeug, ausserdem Gewand, denn sie kam barfuß und mit nur einer verschmutzten Jacke und einer zerschlissenen Hose bekleidet bei uns an. Abgesehen von den praktischen Herausforderungen, die die Aufnahme eines vierten Kindes schuf, mussten wir auch noch ein durch die gewaltsame Trennung von der Mutter und die schwere Erkrankung geschocktes Kind psychisch wieder einigermaßen in Ordnung bekommen. Am Anfang weinte Mihiret zwar nach ihrer Mutter, doch schon vom ersten Tag an spielte sie gerne mit Sara und Jony und war im Allgemeinen fröhlich und, nach etwa einer Woche, auch wieder ausgeglichen.
Im Februar regnete es, was für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich ist, und so fingen wir an, unseren Garten zu bestellen. Wir legten zuerst 10 große Beete vorne im Garten an, unter diesen auch ein Saatbeet. Ein guter Freund von mir, Ras Makau, half uns beim Bepflanzen und wurde dann auch noch unterstützt von Sandra, einer freiwilligen Helferin aus Spanien, die 5 Tage bei uns blieb und nicht nur mit den Kindern Blumen und Tomaten und Pfefferoni pflanzte, sondern uns auch mit ihrem freundlichen Wesen angenehme Gesellschaft leistete. Gleichzeitig war auch meine Mutter wieder bei uns zu Besuch; sie machte die Photos für diesen Bericht und beriet den 1. Klasse Lehrer, Mr. Jemal, wie er die Kinder besser unterrichten könnte.
Letztes Monat bekamen wir noch neues Kind dazu: Wondimageny, 2 Jahre alt und bei seiner Ankunft bei uns 6,5 kg leicht, ist zwar nicht, wie wir zuerst dachten, HIV infiziert, aber seine Mutter ist vor einem Monat an AIDS gestorben und er hat jetzt gar keine Familie mehr. Die Mutter, die psychische Probleme hatte, konnte sich auch vor ihrer Erkrankung nicht um das Kind kümmern, weshalb er schwer unterernährt und seine Haut voll schmutzbedingter Ausschläge war. Misa, unsere Sozialarbeiterin, hat ihn bei sich zu Hause untergebracht, wechselt seine Windeln, gibt ihm am Abend noch zusätzlich Milch und Brei und außerdem viel Liebe. Wondimageny ist so in kürzester Zeit zu einem süßen, sehr fröhlichen Buben geworden, hat schon über zwei Kilo zugenommen, und lernt täglich neue Dinge dazu. Aber natürlich ist es für Misa nicht einfach, jetzt plötzlich ein Kleinkind im Haus zu haben, und auf Dauer werden wir eine andere Lösung für unser kleines Waisenkind finden müssen.
Eine weitere neue Aktivität unseres Projekts ist es, Arbeitsmöglichkeiten für Eltern unserer Schützlinge anzubieten. Es ist uns schon seit langer Zeit bewusst, dass die meisten Probleme unserer Kinder von den Eltern kommen, und für HIV positive, nicht gebildete Menschen ist es nicht einfach, eine Arbeit zu finden. Wir haben einmal damit angefangen, zwei Eltern Arbeit im Garten zu geben, auf Tagesbasis und mit wöchentlicher Bezahlung. Tesfaneshs Vater Getachew, der sich lange Zeit dagegen sträubte, mit der anti-retroviralen Therapie zu beginnen, und deshalb auf 45 kg abgemagert ist, hat diese Arbeit ein bißchen Hoffnung gegeben, sein Leben wieder in Griff zu bekommen. Das ist auch für uns wichtig, denn Tesfaneshs Ziehmutter hat sie aus dem Haus geworfen und das Mädchen hat jetzt nur noch ihren Vater auf der Welt. Wir fürchteten schon, dass Getachew, wenn er sich und sein Kind nicht ernähren kann, einfach davonläuft und Tesfanesh im Stich lässt. Wir hoffen, in der Zukunft noch andere Arbeitsmöglichkeiten anbieten zu können, auch wenn das natürlich weitere Kosten und noch mehr leitende Arbeit für mich bedeutet.
Finanzbericht:
a) Jahresabrechnung für das Jahr 2009 – Aufschlüsselung der Ausgaben, die insgesamt 271.001,17 birr (etwa 15.050 €) betrugen:
1 Herrichten des neuen Gebäudes 2467,65
2 Transport für Kinder 21908,00
3 Exkursionen 996,00
4 Lehrmaterialien 15081,20
5 Transport zu und von Spital/Arzt 3337,80
6 Medizinische Behandlung 10863,15
7 Hygienebedarf 7818,05
8 Handtücher etc. 1488,00
9 Kleidung 1886,00
10 Nahrungsmittel 46981,09
11 Kochgas 4513,40
12 Küchengeräte 5385,26
13 Spielplatzgeräte 7907,00
14 Büromöbel 675,00
15 Möbel für das Klassenzimmer 14046,00
16 Möbel für das Badezimmer 198,00
17 Gehälter für Personal 81383,00
18 Strom- und Wasserrechnungen 906,00
19 Transport für Personal 1829,00
20 Miete für Projektstandort 35250,00
21 Schreibwaren (Bürobedarf) 3051,65
22 Rechnungsprüfung 3000,00
23 Einkommenssteuer auf Bankzinsen 29,92
Gesamt 271001,17
Dem gegenüber stehen Einnahmen von insgesamt 428.992,52 birr (etwa 23.830 €), die nach wir vor ausschließlich von unseren großzügigen Spendern – also von Ihnen – kamen. Diese gute Bilanz ermutigt uns, das Projekt weiter aufzubauen: auf längere Sicht ist ein kleines Waisenhaus wohl unvermeidbar, außerdem sind ja weitere Projekte zur Unterstützung der Eltern und der Ausbau der Schule geplant.
b) Finanzbericht für die Monate Jänner bis März 2010:
Wir danken folgenden Spendern, die uns in diesem Zeitraum mit insgesamt 219.331,78 birr (etwa 12.180 €) unterstützt haben: Ein anonymer Spender aus den U.S.A., Fr. Annie Conrbleet, Hr. Thomas Weiner, Fr. Joanne Heckett, Fr. Louisa Heckett, anonyme Spenderin aus Äthiopien, Fr. Kirsten Borgert-Bühren, Fr. Maike Jürgensen, Hr. Hani aus dem Sudan, und einer weiteren anonymen Spenderin aus Äthiopien. Dazu kommen die vielen Spender und Sponsoren aus Österreich, die unser Projekt von Anfang an unterstützt haben.
Außerdem bedanken wir uns besonders bei Sis. Emma aus Irland und ihrer Familie, die uns zwei große Koffer voll Lehrmaterialien, Spielzeug, natürlicher Arzneimittel und Hygieneartikel geschickt hat, sowie bei Dr. Staudinger für den Transport zahlreicher Spenden, bei Fr. Schwebler für Spielzeug und bei Fr. Laura und Ras Spike Lion aus französisch Guyana für die vielen Kleiderspenden. Einen besonderen Dank auch an einen anonymen Spender aus den U.S.A., der tolle Montessori-Lehrmaterialien sowie Multivitamine für unsere Kinder besorgt hat.
Unsere Ausgaben für die Monate Jänner bis März betrugen insgesamt 61.327,76 birr (etwa 3.400 €). Wir verwendeten dieses Geld für die folgenden Zwecke:
Transport für Kinder 5540,00
Lehrmaterialien 861,99
Transport zu und von Spital/Arzt 584,00
Medizinische Behandlung 3161,35
Hygienebedarf 3031,03
Kleidung 324,00
Nahrungsmittel 13663,50
Kochgas 2507,00
Küchengeräte 1424,50
Spielplatzgeräte 56,00
Möbel für das Klassenzimmer 180,00
Möbel für die Küche 218,00
Gehälter für Personal 26057,00
Strom- und Wasserrechnungen 189,30
Transport für Personal 112080
Schreibwaren (Bürobedarf) 2205,80
Einkommensmöglichkeit für Eltern 195,00
Einkommenssteuer auf Bankzinsen 8,49
Gesamt 61327,76
Mit herzlichen Grüßen,
Isheba Tafari