Yawenta Children’s Center

Progress Report of the Yawenta Children’s Center

Juli-September 2011

3. Oktober 2011

Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!

 

In den letzten drei Monaten haben wir versucht, alles für das neue Schuljahr, das im September begonnen hat, vorzubereiten. Unser Hauptproblem war, daß für die 3. Klasse kein Zimmer im Haupthaus zur Verfügung steht. Daher beschlossen wir, das ‚alte Haus‘, ein Holzhaus auf unserem Grundstück, das vor über 40 Jahren von einem nach Äthiopien repatriierten Ehepaar aus Jamaika, den Eltern des gegenwärtigen Besitzers, errichtet worden war, zu renovieren. Nach anfänglichen Problemen haben wir einen Tischler gefunden, der die Innenseite des Gebäudes sehr schön hergerichtet hat. Die Außenseite werden wir in der Trockenzeit streichen müssen, nachdem das Holz ordentlich getrocknet ist. Sowohl ich als auch die Kinder sind sehr glücklich mit dem Resultat, der Holzfußboden und die mit Spanplatten verkleideten Wände schaffen eine gemütliche Atmosphäre. Das Mobiliar ist wie üblich nicht rechtzeitig fertig geworden. Wir sollten es in ein paar Tagen abholen können, und dann ist unsere 3. Klasse ordentlich untergebracht.

Miss Aynalem ist aus dem Mutterschutz zu uns zurückgekehrt und hat ihre Klasse wieder übernommen. Mr. Tullu unterrichtet auch wieder seine eigene Klasse, jetzt die 2., und für die 1. Klasse haben wir Mr. Tsegeye, einen Soziologie-Absolventen, der auch die Sonntagsschule an einer örtlichen orthodoxen Kirche leitet, gefunden. Er ist sehr liebevoll zu den Kindern, und ich hoffe, daß er ihnen nicht nur das notwendige akademische Wissen beibringen kann, sondern sie auch in ihrer moralischen Entwicklung unterstützt.

Die neue 1. Klasse hat 15 SchülerInnen, von denen 14 aus unserer Kindergarten-gruppe aufgestiegen sind. Die 15., Bethlehem, war eines unserer ursprünglichen 10 Kinder, als wir unser Projekt im Jahr 2008 begannen. Ihre Mutter hatte sie jedoch nach nur wenigen Monaten  aus dem Projekt genommen, um einen Mann zu heiraten, der in einer 15 km entfernten Stadt wohnt. Nun ist die Mutter wieder zu uns gekommen und hat uns gebeten, Bethlehem wieder bei uns aufzunehmen. Ich war schockiert über den Zustand des Kindes: sie ist schwer unterernährt, und obwohl sie schon 10 Jahre alt ist, hat sie in all den Jahren, die sie nicht unsere Schule besuchte, noch nicht einmal die 1. Klasse abgeschlossen. Das letzte halbe Jahr war sie überhaupt nicht in der Schule, sondern ist zu Hause gesessen. Die Mutter hat inzwischen ein weiteres Kind bekommen, das nicht infiziert ist, und hat ihre erstgeborene Tochter schwer vernachlässigt. Bethlehem muß jetzt erstmal das amharische Alphabet richtig lernen, aber sie ist glücklich, wieder in der Schule zu sein, und nach nur ein paar Tagen bei uns hat sie begonnen, mit den anderen Kindern zu spielen und zu lachen.

Zwei weitere Kinder, die unser Projekt verlassen hatten, sind zurückgekehrt: Freamboni, dessen Mutter hauptsächlich darum besorgt ist, ihren und des Kindes HIV Status geheimzuhalten, war während seiner Abwesenheit von unserer Schule oft krank. Die Mutter hatte ihn sogar aus dem Spital genommen, als er dort behandelt werden sollte. Unsere Sozialarbeiterin, Misa, hat unter Einsetzung all ihrer Überredungskünste die Mutter schließlich überzeugt, ihr Kind wieder in die Schule zu schicken. Und Rediet, die in eine andere Schule gewechselt hatte, war dort nicht glücklich und bat ihren Vater so lang, sie in die Yawenta Schule zurückkehren zu lassen, bis er schließlich einstimmte. Sie ist jetzt in der 2. Klasse und froh, ihre beste Freundin Helen und die anderen Kinder wiederzuhaben.

Es scheint, daß eines der Hauptprobleme unseres Projektes sein soll, die Kinder über längere Zeit in der Schule zu behalten. Erst vor ein paar Wochen mußten wir auf die Suche nach Ammanuel gehen, der zwei Wochen lang ohne ersichtlichen Grund abwesend war. Seine Großmutter kam dann schließlich und erzählte uns, daß Ammanuels Mutter, die in Dubai gelebt hatte, vor kurzem gestorben sei. Sie telephonierte früher immer wieder mit dem Buben und schickte ihm Gewand, und nun fragt er die Großmutter ständig, warum er denn nichts mehr bekommt. Dann sagt er, er würde nicht in die Schule gehen, wenn er keine neuen Schuhe bekommt; und die Großmutter, die ungebildet ist und über den Verlust ihres dritten Kindes durch AIDS sehr traurig ist, antwortet ihm, sie habe kein Geld und er solle sie in Ruhe lassen. Dann weint Ammanuel so lang, bis er sich erbricht. Die Großmutter schloß damit, es sei vielleicht besser, der Bub ginge nicht in die Schule. Misa und ich verbrachten Stunden damit, sie zu überzeugen, daß das Kind, wenn es zu Hause sitzt und nur an seine verstorbene Mutter denkt, nur noch depressiver wird. In der Schule ist er glücklich, und er macht sich gut in der ersten Klasse. Wir versuchten auch, ihr zu erklären, daß das Kind sehr wohl lange leben kann und daher eine gute Erziehung für sein zukünftiges Leben dringend nötig hat, auch wenn er HIV infiziert ist. Wir boten der Großmutter regelmäßige Beratungsstunden mit ihr und dem Kind an, um beiden zu helfen, die Probleme zu Hause zu lösen, aber sie scheint nicht willens zu sein, zu kommen. Zumindest ist Ammanuel wieder in der Schule.

Betreffend den schulischen Aspekt unserer Arbeit ist einer meiner ersten Pläne in diesem Jahr, den Sport- und ‘Ästhetik’-Unterricht zu verbessern. Ich habe Lehrpläne aufgestellt und versuche nun, die Lehrer bei der Durchführung zu unterstützen. Bis jetzt haben die Kinder ganz einfache Aufgaben oft wiederholt; der neue Lehrplan sieht neue Herausforderungen in regelmäßigen Abständen vor, und die Kinder scheinen bis jetzt damit zufrieden. Im Sportunterricht haben wir mit einfachen Bodenübungen wie Purzelbäumen, Radschlagen, Hand- und Kopfständen begonnen und werden mit Leichtathletik, Schnurspringen und schließlich Übungen an Geräten wie Reck und Schwebebalken, die wir dieses Jahr anschaffen wollen, fortfahren. Im Musikunterricht werden die Kinder Trommeln und Xylophon-Spielen lernen, im Kunstunterricht werden Zeichnen, Malen, Papier-Schneiden und Papiermaché-Arbeit auf dem Programm stehen. Im Werkunterricht werden einfache Stickmuster an einem Plastikgitter geübt, Weben, einfache Taschen und Stofftiere Nähen, und Häkeln erlernt. Der Ästhetik-Unterricht enthält auch wöchentliche Märchen-Stunden, und wir planen ab und zu örtliche Erzähler einzuladen, damit sie von ihrem Märchenschatz den Kindern etwas vermitteln. Außerdem sollten die Kinder pro Semester ein kurzes Theaterstück üben und aufführen. Zu guter Letzt werden die Kinder im Garten kleine Stückchen Land zur Bearbeitung überantwortet bekommen, wo sie kleine Mengen ihres eigenen Gemüses pflanzen, jäten, gießen und ernten können.

Das ist, ich weiß, ein anspruchsvolles Programm, und daher ist es um so wichtiger, daß wir einen guten Manager finden, der mich von den meisten meiner administrativen Pflichten befreien kann, sodaß ich die Lehrer intensiver unterstützen kann. Eine Kandidatin hatte sich in der Probezeit nicht bewährt, doch haben wir gerade einen weiteren Manager, Mr. Rameto, angestellt, von dem ich hoffe, daß er mir eine große Hilfe sein wird. Wir mußten auch noch eine weitere Putzfrau anstellen, da das Küchenpersonal sich über ständige Überlastung beklagte. Und die Eltern, oder zumindest die Mehrzahl der Eltern, haben wir dazu gebracht, uns etwas bei der Gartenarbeit zu helfen. Mit all diesen Angestellten und der Hilfe der Eltern sollten wir das neue Schuljahr meistern können.

Schließlich möchte ich wiederum unseren treuen Sponsoren für ihre anhaltende Unterstützung danken. Ohne sie wäre dieses Projekt nie Realität geworden. Vor ein paar Wochen bekamen wir erstmals auch einen Beitrag von einer Spendenorganisation. Auf einem Rastafari Symposium in Addis Abeba letzten März konnte ich den Mann der österreichischen Botschafterin in Äthiopien kennenlernen. Als ich ihm vom Yawenta Children’s Center erzählte, lud er unsere Organisation ein, bei der Ambassadors and Heads of Mission Spouses and Diplomatic Spouses Group, der er angehört, um eine Spende anzusuchen. Ich schaffte es schließlich, ein dementsprechendes Ansuchen einzureichen, und nach einem On-Site Besuch von fünf Mitgliedern der Gruppe, die extra aus Addis Ababa angereist waren, um unsere Arbeit zu sehen, gaben sie uns über 34.000 Birr (etwa 1.400 Euro) für die Einrichtung des 3. Klassenzimmers, einen zweiten Herd für die Küche, einen Computer und einen Drucker für das Büro, zusätzliche Geräte für den Spielplatz, und einen weiteren großen Wassertank, damit wir besser durch die Trockenzeit kommen. Jetzt müssen all diese Dinge nur noch gekauft werden…

Mit herzlichen Grüßen,

 

Isheba Tafari

Geschrieben von isheba

6. Oktober 2011 um 8:52 vormittags

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