Juli-August 2009
14. Oktober 2009
Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!
Diesmal wird es ein kurzer Bericht werden, ich stecke wieder über beide Ohren in der Arbeit. Wir sind umgezogen; siehe die Photos, die nur teilweise einen Eindruck davon geben, wie groß das Haus und der Garten wirklich sind. Natürlich bleiben Probleme nicht aus, wie zum Beispiel das WC im unteren Stock, das am ersten Tag nach unserem Einzug am 15. August den Geist aufgab. Nicht durch unsere Schuld, es scheint, dass sich die Wurzeln eines sich außerhalb des Hauses befindlichen Baumes in die Abflussröhre eingeschlichen und sich dort, gestärkt durch menschliche Abfallprodukte, breit gemacht habe, bis das Wasser nicht mehr abfließen konnte. Der Schaden wurde dann vom Hausherrn gleich und bis spät in die Nacht arbeitend behoben, nur um einem weiteren Problem Platz zu machen: Der Hausherr hatte unter großen Kosten und viel Mühe ein Stahlgerüst für den Wassertank errichten lassen, sodass wir auch in der Trockenheit fließendes Wasser hätten, doch als der Tank sich zum ersten Mal während der Nacht füllte, stürzte das ganze Gerüst samt Wassertank ab. Zum Glück sind wir ausgerüstet mit zahlreichen Wasserbehältern und werden also auch ohne Wassertank zurecht kommen.
Der Umzug war sehr hektisch und anstrengend, hatten wir doch nur ein einziges Wochenende, um alles wieder betriebsfertig zu machen, aber es ging alles gut, nichts wurde zerbrochen oder ging verloren. Wir hatten eine kleine, informelle Eröffnungsfeier – ich hatte die Nacht davor nichts geschlafen und konnte kein richtiges Programm aufstellen – mit Eltern und Kindern und einigen Mitgliedern der Rastafari Community, in deren Mitte sich unser neues Zuhause befindet. Wir haben die Spielgeräte aufgestellt, und die Kinder haben die Wippe und Rutsche –die Schaukel ist immer noch nicht ganz fertig – gleich in Beschlag genommen. Vor und hinter dem Haus sind große Wiesenflächen, die sich zum Fußballspielen und Turnen und herumlaufen eignen, und ein Sandhaufen, der einfach so dalag, wurde sogleich zur Sandkiste umgewandelt. Unsere Kinder sind kleine Maulwürfe, die zweistöckige Sandburgen mit Vorgärten und blumenbeschmückten Dächern bauen.
Wir haben auch schon ein Stück Land mit Gemüse bepflanzt, wobei besonders die größeren Kinder begeistert geholfen haben; leider gibt es von dieser Aktion keine Photos, da ich selbst mit beiden Händen in der Erde gebuddelt habe und zum photographieren gar keine Zeit blieb. Zum Abschluß sind die Kinder auf die Idee gekommen, ihre Gesichter mit Schlamm zu beschmieren und am Gartenwasserhahn kräftig herumzupritscheln. Und wir können ihnen erlauben, sich kurzfristig so richtig einzudrecken, denn die Erde hier ist nicht von Abfall und allen möglichen Fäkalien verunreinigt. Die Kinder klettern auf die (kleineren) Bäume – bis jetzt ist noch niemand heruntergefallen, und ansonsten lernen sie wie gehabt, nur mit viel mehr Platz und in einem sonnengelb gestrichenen Raum.
Ich habe Sara nach Addis Abeba zu einer Psychologin, einer reizenden, hochschwangeren Frau, gebracht, die eine Stunde allein mit ihr sprach. Sie bestätigte den Verdacht auf sexuellen Missbrauch und meinte, Sara bräuchte dringend Hilfe. Leider ist sie selbst nicht nur schwanger, sondern schreibt gerade an ihrer Doktorarbeit; daher wird es ihr wahrscheinlich nicht möglich sein, Sara weiterhin zu helfen. Wir werden aber hoffentlich jemanden anderen finden.
Genet habe ich ins größte öffentliche Spital des Landes, das Tikur Anbessa Spital in Addis, gebracht; nach fünf Stunden Wartezeit wurden verschiedene Tests und ein neues Röntgenbild ihres Knies verlangt, welche ich eine Woche darauf bringen konnte. Die Diagnose war eindeutig: Knochentuberkulose. In Shashamane hatten sie diese nicht diagnostizieren können, und Genet wäre wahrscheinlich an dieser gefährlichen Krankheit gestorben. Wir haben sie also zur TB-Station in Shashamane gebracht und sie wird jetzt 8 Monate lang schwere Antibiotika nehmen müssen, zusätzlich zur Antiretroviralen Therapie. Die Kleine hat die ganze Prozedur sehr tapfer überstanden, im Spital ist sie auf einem Bein herumgehüpft und hat gelacht und immer wieder gesagt, schau wie toll ich hüpfen kann! Allen Leuten standen die Tränen in den Augen.
Ich werde für heute Schluss machen. Der Finanzbericht folgt im nächsten Bericht, wegen des Umzugs bin ich mit der Buchhaltung im Rückstand.
Mit herzlichen Grüßen, Ihre Isheba Tafari