Mai-Juni 2009
16. Juni 2009
Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!
Ich bin vom Urlaub wohlausgeruht und voll Tatendrangs nach Shashamane zurückgekehrt und fand mich sofort mitten in der Arbeit. Wie ich schon im letzten Bericht erwähnte, ging es Sara, seitdem sie zu ihrer Mutter zurückgekehrt war, physisch und psychisch immer schlechter. Ihr CD4 Wert, der den Status ihres Immunsystems anzeigt, fiel in nur 6 Monaten von 1000 auf 537, und sie nahm stark ab. In meiner Abwesenheit brachte sie die Sozialarbeiterin wegen einer Entzündung im Vaginalbereich zum Gynäkologen, der bei ihr Gonorrhoe feststellte. Wir haben den Verdacht auf sexuellen Missbrauch bei der Polizei gemeldet, Sara wurde auch befragt, bis jetzt ohne konkretes Ergebnis. Für mich war die Priorität, sie aus der Umgebung, in der ihr dies widerfahren ist, so schnell wie möglich zu entfernen.
Als wäre das alles noch nicht genug, wurde ihr auf Grund ihres verfallenden Immunstatus Co-trimoxazol, ein Breitbandantibiotikum, als präventive Dauerbehandlung verschrieben. Dies ist Standardverfahren bei HIV positiven Kindern, nur stellte sich bei Sara schnell heraus, dass sie gegen das Medikament allergisch ist. Sie hatte ganz schlimm aussehende Reaktionen, die von schwerem Pilzbefall im Mund über extrem trockene, sich ablösende Haut auf den Händen bis zu kreisförmigen Schrunden am gesamten Oberkörper reichten. Sie konnte über eine Woche lang kaum essen, weil ihr Mund angeschwollen und sehr schmerzhaft war; wir mussten ihr Essen pürieren und sie wegen des Pilzbefalls auf eine zuckerfreie, gewürzarme Diät setzen.
Ich habe Sara also wieder bei mir aufgenommen, was ihr ausdrücklicher Wunsch war. Zumindest physisch hat sie sich innerhalb von nicht einmal zwei Wochen so gut wie vollständig erholt, isst so viel, dass mir schon angst und bange wird, und versteht sich blendend mit Melaku und Jony. Sie war besonders glücklich, als ich die Kinder am Wochenende nach Awassa zum See brachte und die Woche darauf nach Wondo Genet zum Schwimmen. Wie sie das Ausgestande psychisch verarbeiten wird, weiß ich nicht; ich selbst bin keine Psychologin und in Shashamane gibt es auch keine. Ich kann ihr nur viel Liebe geben und versuche – zugegebenerweise ganz unprofessionelle – ‘Erlebnistherapie’. Sara teilt jetzt mit mir ein winziges Zimmer, was sie nicht zu stören scheint. Sie besteht eigentlich nur auf eines: nach Hause will sie nicht mehr zurück.
Aschalew geht es leider überhaupt nicht gut. Als unsere Sozialarbeiterin bei ihm zu Hause vorbeischaute, entdeckte sie, dass seine Mutter ihm das Medikament gegen die Hepatitis B nicht gegeben hatte. Seitdem geben wir ihm das Lamivudine nur einmal täglich bei uns in der Schule, worauf sich sein vorher beängstigender Zustand wieder etwas verbesserte. Das Problem liegt zu Hause: seine Mutter ist HIV und Hepatitis B positiv, hat ihre eigenen Medikamente abgesetzt, ist daher jetzt krank und bettlägrig, weigert sich, die kleineren Kinder auf Hepatitis B testen zu lassen und ist jetzt auch noch wieder schwanger. Dabei hat sie schon 6 eigene Kinder und 2 oder 3 Kinder von Verwandten, die sie in ihrem winzigen Haus aufzieht, wofür das winzige Gehalt ihres Mannes nicht ausreicht. In meiner Abwesenheit und nachdem er die ersten 4 Monate auf Lamivudine beendet hatte, wurden bei Aschalew ein Leberfunktionstest und ein weiterer Hepatitis B Test durchgeführt. Das Virus ist keineswegs verschwunden, was bei der unregelmäßigen Medikamentengabe auch nicht zu erwarten war, und seine Leber ist in sehr schlechtem Zustand. Der Arzt meint, sie sei bereits so stark beschädigt, dass auf eine Heilung eigentlich keine Hoffnung mehr besteht. So können wir nur lebensverlängernde Maßnahmen treffen und beten.
Genets Knie ist auch viel schlimmer geworden, sie hinkt ganz fürchterlich und hat Schmerzen. Wir werden nicht darum herumkommen, sie nach Addis Abeba zum Black Lion Hospital zu bringen, wo ihr hoffentlich geholfen werden kann. Aufgrund ihres zarten Alters und gesundheitlichen Status ist eine Operation natürlich ein großes Risiko, aber wenn ihre Erkrankung sich weiterhin so verstärkt, wird sie bald überhaupt nicht mehr laufen können. Ihrer Mutter geht es auch gar nicht gut, sie ist an der Leber erkrankt und bräuchte dringend Ruhe, welche sie mit einem geistig behinderten und einem HIV positiven Kind wohl kaum findet. Sie wollte, dass ich auch noch Genet bei mir aufnehme, aber das kann ich nun wirklich nicht mehr.
Jetzt zu den guten Nachrichten: im August ziehen wir in ein neues Haus um! Wir haben ein wunderschönes, zweistöckiges Haus mit einem riesigen, etwas verwildertem Garten gefunden und zunächst auf zwei Jahre gemietet. Wir werden dort die Möglichkeit haben, eine eigene Klasse für die grösseren Kinder einzurichten, ausserdem gibt es ein Esszimmer, ein größeres Büro, eine Küche mit Abwasch, Schlafzimmer für Jony, Melaku und Sara und auch ein Zimmer für mich! Im Garten gibt es Mango, Grapefruit, Pfirsich und andere Obstbäume sowie jede Menge Platz zum Spielen und Entdecken, und der ganze hintere Teil kann zum Gemüseanbau genützt werden. Photos kommen mit dem nächsten Bericht!
Wie Sie sehen, wächst unser Projekt unaufhörlich weiter, fast wie aus eigenem Antrieb. An dieser Stelle möchte ich unsere treuen Spender und Sponsoren nochmals bitten, uns weiterhin ihre großzügige Unterstützung teilwerden zu lassen, damit wir unseren Kindern eine wirkliche Chance auf ein besseres Leben ermöglichen können. Unsere unmittelbaren Zukunftspläne sehen so aus:
- Umzug ins neue Haus und Einrichtung einer weiteren Klasse für die 14 ‘Großen’.
- Diese Kinder werden halbtags eine öffentliche Schule besuchen und die andere Hälfte des Tages bei uns intensive ausserschulische Betreuung (vertiefender und erweiternder Unterricht) nach der Montessori-Methode erhalten.
- Ausserdem bekommen sie weiterhin gesunde Mahlzeiten und medizinische Betreuung.
- Die Kindergartenklasse wird auf 25 Schüler aufgestockt, das heißt, dass wir 10 neue Kinder aufnehmen können.
Ohne Ihre Hilfe können wir all dies nicht leisten, auch wenn wir wie immer unser Bestes tun.
Finanzbericht:
Wir danken folgenden Spendern, die uns im Zeitraum März-Juni 2009 mit insgesamt 58,791.44 birr (etwa 3,720 €) unterstützt haben:
Anonyme Spender aus den USA; Ras Justus; Schüler, Lehrer und Eltern des Polgargymnasiums durch Patenschaften, Einnahmen vom äthiopischen Abend und vom Klavierabend; die Märchenrunde; Fr. Heide Mannhartsberger; Dr. Gerlinde Balluch; Fr. Ingrid Hend; Hr. Dieter Reichenauer; die Hubertusapotheke Kaisermühlen; Hr. Manfred Friesznegg; Hr. Manfred Siegl; Mag. Beate Lobis; Mag. Dr. Peter Rauscher; Fr. Doris Schwebler; Fr. Andrea Niemetz; Fr. Christine Niemetz; Fr. Juliane Knödler; Sis. Annamaria Pilo; Hr. Birhane; Sis. Annabelle; Sis. Emmas Familie und Freunde; und last but not least Tina von der Quai Co-op in Cork, Irland.
Darüber hinaus danken wir ganz herzlich Herrn Franz Hammerer für die tollen Montessori-Materialien, das Buch und die wertvolle Ratschläge; Frau Fuchshuber für Ermutigung und weitere Ratschläge; Frau Lieselotte Boran für die Möglichkeit, in ihrer Montessori-Volksschulklasse zu hospitieren; Sis. Emma Slye, Ras Benjamin und der Italics Band für ganz viele Vitamine und natürliche Medikamente, die bei der Behandlung von Saras Pilzinfektionen ganz besonders zum Einsatz kamen; Soozies Restaurant in Cork, Irland für viele Bücher; Sis. Annamaria Pilo für die leckeren Süßigkeiten; und Mag. Weninger für therapeutische Zusatznahrung und Medikamente.
In den letzten vier Monaten gaben wir insgesamt 75,546.77 birr (etwa 4,780 €) für die folgenden Zwecke aus:
|
1 |
Einrichtung für das Klassenzimmer |
628.00 |
|
2 |
Spielplatzgeräte |
3,980.00 |
|
3 |
Küchengeräte |
1,293.25 |
|
4 |
Büromöbel |
345.00 |
|
5 |
Lehrmittel |
11,302.71 |
|
6 |
Hygienebedarf |
2,286.95 |
|
7 |
Nahrungsmittel (inklusive Gas) |
16,937.39 |
|
8 |
Medizinische Behandlung (inklusive Transport) |
3,892.70 |
|
9 |
Administration |
1,564.77 |
|
10 |
Gehälter |
25,620.00 |
|
11 |
Transport für Kinder |
7,200.00 |
|
12 |
Kleidung |
496.00 |
| Total |
75,546.77 |
Die Yawenta Kinder wünschen Ihnen einen schönen Sommer!
Mit herzlichen Grüßen,
Isheba Tafari