September 2008

Liebe Familie, Freunde und Sponsoren!
Dieses Monat haben wir den erzieherischen Teil unseres Projektes radikal umgestellt. Als uns Miss Belaynesh die Assistenzlehrerin verließ, um ihre eigenen Studien fortzusetzen, beschlossen wir, dieses als Anstoß zum Fortschritt anstatt als Rückschritt zu sehen. Ich war vom Beginn unseres Projektes an überzeugt, dass die Lehrmethoden, die in Äthiopien üblich sind (von der Tafel abschreiben), nicht das beste für unsere Kinder sind. Als Alternative bietet sich hierzulande Montessori, denn es gibt einige Trainingsinstitute, in denen Montessori-Lehrer ausgebildet werden. Wir haben eine junge Frau aus Addis Abeba, Ms. Hiywot, überredet nach Shashamane zu kommen und ihre Erfahrung im Yawenta Kindergarten einzubringen. Natürlich brauchte es sowohl Zeit als auch einige Mühen, bis die neue Lehrerin eingewöhnt und die speziellen Montessori Lehrmaterialien, ohne die diese Form des Unterrichts nicht funktioniert, besorgt waren. Wir mussten dafür auch unser Budget überschreiten – aber ich denke, das war es wert.
Seit wir die neue Lehrmethode eingeführt haben, lernen die Kinder vollkommen kinderzentriert, das heißt individuell nach eigenen Lehrplänen für jedes Kind. Einige Überraschungen hat es bereits gegeben: nicht nur lernen jetzt wirklich alle Kinder etwas, je nach eigenem Können und Interesse, sondern stille Kinder wie Mintesenot Teklu bekommen jetzt die Chance zu zeigen, was sie können (so gut wie alles, was wir ihm aufgeben, und schnell!), und selbst Yosef, der geistig behinderte Bub, zeigt größeres Interesse am Lernen als je zuvor. Die Kinder sind noch dabei, sich an das individuelle Lernen zu gewöhnen, aber alles in allem haben sie sich schnell und mit viel Freude auf die neue Lehrmethode eingestellt. Wir sehen endlich echten Fortschritt in jedem einzelnen Kind, und die Kinder selbst haben Erfolgserlebnisse, die sie zu weiterem Lernen anregen.
Da der Bericht (wieder mal) spät dran ist, möchte ich auch hinzufügen, dass Jony Anfang Oktober wieder sehr krank wurde, in der Schule zusammenbrach und halb bewusstlos ins Spital eingeliefert werden musste. Er blieb eine Woche dort, eine Lungenentzündung wurde behandelt, und er hat es trotz allem wieder mal geschafft: er ist wieder in der Schule und so gesund, wie sein Immunstatus zulässt – Gott sei Dank! Neulich haben wir eine CD mit einer vereinfachten, körpernahen Gebärdensprache bekommen, die speziell für Kinder mit mehrfachen Behinderungen entwickelt wurde. Wir werden unser Möglichstes tun, ihm diese Sprache beizubringen, sodass er endlich zu kommunizieren beginnen kann.
Schon lang überfällig war die Einstellung eines neuen Buchhalters. Hr. Samuel arbeitet nun 10 Wochenstunden daran, unsere Bücher in Ordnung zu bringen – bis Ende September ist nun alles komplett – und das ganze in den Computer zu stellen. Wir haben auch noch eine Teilzeit-Reinigungsfrau, Fr. Azeb (Kalkidans Mutter), eingestellt, denn Fr. Tsehay’s Arbeit war einfach zu viel für eine Person. Fr. Azeb ist vor allem für die Reinigung von Klassenzimmer und Esszimmer und für das Kleiderwaschen verantwortlich.
Am 12. September (dem äthiopischen Neujahr) erhielten unsere Kinder ihre ersten Zeugnisse, mit Bewertungen ihres Wissens, Könnens und ihrer sozialer Kompetenz. Beim Elterntreffen kam das ewige Thema der Hygiene wieder mal zur Sprache, ohne viel Erfolg: wie zuvor müssen wir Läuse, Flöhe, Pilzinfektionen und Darmparasiten der Kinder behandeln. Wir (die Lehrerinnen, die Köchin und ich) hatten erstmals die Chance, mit Abitis Mutter eindringlich zu reden. Leider ist zu befürchten, dass die geistig kranke und HIV positive Frau nicht bereit ist, sich selbst oder ihrem Kind zu helfen. Da sie von frühmorgens bis spätabends bettelnd durch die Straßen zieht, lebt der 5jährige Abiti praktisch allein. Ich hoffe, dass wir bald eine liebende Ziehfamilie für diesen schwer vernachlässigten Buben finden können.
Finanzbericht:
Dieses Monat erhielten wir eine weitere Spende von Sis. Emma, Tina und unseren großzügigen Sponsoren von der Quai Co-op in Irland, inklusive einer Riesenportion der fantastischen Multivitamin-Zuckerln, die die Kinder so lieben. Die Unterhosen waren auch sehr hilfreich, und die € 670 an Spendengeldern werden, wie zuvor, dort eingesetzt werden, wo sie direkt den Kindern zu Gute kommen. Außerdem erhielten wir wunderschöne Kinderkleidung von Fr. Laura in Addis Abeba – danke!
Dieses Monat haben wir 16,152.56 Birr für die folgenden Zwecke ausgegeben:
Lehrmaterialien (inklusive Montessori) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,589.00
Hygiene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . 640.01
Essen (inklusive Gas für’s Kochen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,793.40
Medizinische Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1,532.15
Administration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .293.00
Gehälter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4,670.00
Transport für die Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . …1,635.00
Total . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16,152.56
Ein großes Dankeschön an alle unsere Sponsoren, die all dies möglich gemacht haben! An dieser Stelle möchte ich auch eine neue Sponsorin, Fr. Maike Jürgensen, ganz herzlich im Kreise unserer Familie willkommen heißen. Ich hoffe, Sie alle finden Freude an den Bildern unserer Kinder, wie sie singen und spielen und lernen.
Mit herzlichen Grüßen,
Isheba Tafari
Präsidentin
Positive Action Charity Organization